Kostenlose Beratung

Hier findet ihr zunächst mal ein paar einfache Erklärungen der wichtigen Begriffe.

Unten bei den FAQ beantworten wir einige der vielen Fragen und Behauptungen, denen wir seit unserer Gründung begegnet sind. Falls ihr weitere grundsätzliche Fragen habt, deren Beantwortung von allgemeinem Interesse ist, bitte uns zukommen lassen. Wir werden die Eingänge gerne prüfen.
(Der Einfachheit halber verwenden wir die männliche Form. Künstlerinnen, Urheberinnen usw sind natürlich immer mit gemeint.)

Urheber & Urheberrecht

UrheberInnen in der Musik sind alle, die Texte oder Musik schreiben, egal ob ausgeschrieben oder per Audio-Demo, einfach die „Erfinder“. Das Urheberrecht schützt ihre Leistung, auch wenn sie die Songs nicht selber aufnehmen oder aufführen. Das Urheberrecht ist wie ein Eigentumsrecht. Das heisst: Grundsätzlich kann ein Urheber über jede Verwendung seines Werkes verfügen. Nur mit einer Lizenz (einem Vertrag) dürfen Werke weiterverwendet werden, insbesondere wenn die Verwendung gewinnbringend und/oder öffentlich ist.

Eine Einschränkung des Urheberrechts nennt man „Schranke“. Schranken werden dort eingesetzt, wo die absolute Durchsetzung des Urheberrechts nicht sinnvoll oder effizient möglich ist. Das Recht zur Privatkopie etwa ist eine Schranke. Gemäss internationalen Verträgen ist eine Schranke aber nur erlaubt, wenn die Urheber dafür „angemessen“ entschädigt werden. Deshalb braucht es zB. für die Erlaubnis der Privatkopie ein System wie die Leerträgervergütung.

Mehr Infos zum Urheberrecht gibt‘s bei der SUISA.

Interpret & Interpretenrechte

Viele Interpreten sind nicht selber die Urheber ihrer Werke. Die englische Bezecchnung für die Interpretenrechte ist als Definition einfacher verständlich: Performance Rights. In der Musik sind alle InterpretInnen, die einen instrumentalen oder stimmlichen Beitrag leisten zur Aufnahme oder zur Aufführung (für die im Falle einer Ausstrahlung auch Interpretenrechte geltend gemacht werden können).

Während in der Schweiz für Urheberrechte bis zu 10% der Einnahmen eines Anlasses geltend gemacht werden können, gibt es für die Interpretenrechte ein „Dach“ von 3%, was immer wieder kritisiert wird. Als Grund wird angegeben, dass Interpreten ja auch eine Gage erhalten, während das für die UrheberInnen bei der Aufführung durch andere nicht der Fall ist.

Die Interpretenrechte sind Teil der sogenannten Leistungschutzrechte. Das ist ein weites, sehr komplexes Feld mit vielen Playern. Im Film veranschaulicht sich das am besten: Auch Kameraleute und der Rest der technischen Crew haben ein Anrecht auf Leistungsschutz. Die Filmautoren hingegen sind im Urheberrecht geschützt.

Für mehr Details zum Interpreten- und Leistungschutzrecht, siehe die Seite der Swissperform.

Label, Vertrieb, Aggregator

Der Begriff Label ist eigentlich etwas verwirrend, gemeint sind in der Regel „Plattenfirmen“, also die Musikindustrie. Bereits früher hatten grosse Firmen der Unterhaltungsindustrie verschiedene Labels unter einem Dach, deren stilistische Ausrichtung dann eben ein „Brand“, ein Label war.

Das Label ist Herausgeberin der Musik, veröffentlicht einen bestimmten Tonträger. Dafür hat es mit den Künstlern einen Vertrag, in dem bestimmt wird, wer für welchen Teil der Produktions-Kosten aufkommt und wie daraus folgend der Verteilschlüssel für die Einnahmen aussieht. (s. Verträge)

Ein breit aufgestelltes Label hat in der Regel auch eine Infrastruktur für die Promotion und den Vertrieb der Tonträger. In der Schweiz gibt es aber viele kleine Labels, bei denen die Promotion nicht immer im Vertrag inklusive ist, der Vertrieb wird an eine Vertriebsfirma ausgelagert, die kaum Beiträge an Produktionskosten beisteuern und die so eher als Bindeglied zwischen Künstler und Markt fungieren.

Da wichtige Plattformen wie iTunes oder Spotify nicht mit jedem Künstler direkt einen Vertrag machen wollen, ist man auf eine Art Label/Partner angewiesen. Gerade für den digitalen Markt sind sogenannte Aggregatoren wichtig geworden, die einem da den Zugang ermöglichen.

Verlag

Wenn man einen Song in einer Werbung, einem Film oder einer TV-Serie hört, hat vermutlich ein Verlag gute Arbeit geleistet. Der Verlag repräsentiert ein Repertoire und versucht, es gewinnbringend zu platzieren. Dazu gehört neben den genannten Zielorten auch, Songs bei KünstlerInnen unterzubringen, die nicht ihre eigenen schreiben, oder sie auf Compilations zu platzieren. Die kollektiven Verlagsrechte werden in der Schweiz zusammen mit den Urheberrechten von der SUISA verwaltet.

Individuelle Verwertung

So nennt man alles, was an Einnahmen aus direkten Verträgen generiert wird. Mit CD’s/LP’s ist das einfach: Sie werden in Shops geliefert, verkauft und über die Händler abgerechnet. Komplizierter ist es digital. Ein Anbieter, zB Spotify lizensiert direkt beim Label (oder dem entsprechenden Rechteinhaber) das Recht, ein bestimmtes Werk im Repertoire zu führen. Das ist nicht immer einfach, und für bestimmte besonders aufwändige Fälle gibt es deshalb auch die Kollektive Verwertung.

Kollektive Verwertung

Die Kollektive Verwertung setzt dort an, wo es zu kompliziert oder zu aufwändig wäre, individuell zu verwerten. Wenn zB. das Radio einen Song spielen will (und damit ein sogenannter Nutzer wird), kann es ja schlecht für jeden Titel bei der entsprechenden Plattenfirma anfragen. Das Senderecht ist deshalb ein kollektives: Das gesamte bei der SUISA (oder einer internationalen Schwestergesellschaft) angemeldete Repertoire darf im Radio gespielt werden, muss aber der SUISA gemeldet werden und die Nutzung wird von ihr in Rechnung gestellt und dann an die betreffenden UrheberInnen weiterverteilt. Das hat auch für die Künstlerinnen gewichtige Vorteile, da viel Verwaltungsaufwand unter einem Dach zusammengeführt wird. Zudem darf man für Konzerte covern, was man will, die Veranstalter bezahlen die Urheberrechtsabgabe, reichen die Liste der gespielten Titel an die SUISA weiter und die SUISA bezahlt daraus die effektiven Songwriter.

(ACHTUNG: Für Aufnahmen braucht man eine weiterreichende Erlaubnis!)

 

FAQ

Grundsätze

Q: Wie kann ich als Musikliebhaber meine Lieblingsinterpreten am besten unterstützen?
A: Stell zuerst mal sicher dass du die Musik in einem legalen Shop einkaufst (zB. mit der Liste auf pro-music.org). Viele Acts empfehlen auf ihrer Website mit Links, wo man ihre Musik kaufen oder streamen kann. Bands, die nicht unbedingt in die Verkaufscharts wollen, profitieren am meisten, wenn du ihren eigenen Shop nutzest. Wenn du bei ihrem Konzert eine CD oder LP kaufst, haben sie sogar doppelt von dir als Kunde profitiert.

Wenn du Musik streamen willst, dann löse das Abo eines legalen Streamingdienstes. Da verdienen wir zwar nicht sehr viel, aber immerhin besser, wenn du AbonnentIn bist und nicht das Angebot mit nur Werbung benutzt.
Du kannst zudem via Facebook, Twitter usw. die Aktionen der Künstler weiterverbreiten.

Q: Seid ihr dagegen, dass Internetnutzer gratis Musik herunterladen können?
A: Wir finden, dass der Künstler selber darüber entscheiden können soll, ob er sein Schaffen unentgeltlich zur Verfügung stellen möchte.

Q: Seid Ihr gegen das Recht auf freien Zugang zu kulturellen Gütern?
A: Ein solches Recht gibt es formell nicht. „Frei“ heisst zudem nicht „kostenlos“. Es sollen alle Zugang zu Musik haben und das ist mit dem Internet einfacher als je zuvor. Doch der legitime Anbieter soll den Preis festsetzen dürfen, nach dem Spielraum innerhalb eines freien Marktes. Er hat investiert und trägt ein Geschäftsrisiko. Er soll dabei nicht mit illegitimen Gratis-Anbietern konkurrieren müssen, denn das kann niemand, der uns verantwortungsbewusster Geschäftspartner sein will.

Q: Seid ihr gegen das freie Internet?
A: Nein. Wir meinen nicht Wikileaks oder Edward Snowden. Wir meinen Kim Dotcom. Die Rechtsdurchsetzung, die wir fordern, zielt auf eindeutige, gewerbsmässige Piraterie. Wir sind der Meinung, dass man das Internet realistisch sehen muss: Es ist ein riesiger Marktplatz, und ein Markt braucht Regeln. Diebstahl und Hehlerei müssen verboten und verfolgbar sein, auch im digitalen Bereich. Zum Schutz jener Geschäftsmodelle, die mit legalen Mitteln unseren Markt mittragen wollen.

Q: Musiker werden ja sowieso vom Steuerzahler subventioniert.
A: Die Populärmusik in der Schweiz trägt sich weitgehend selber. Subventionen werden nur für konkrete Projekte gesprochen, die sich finanziell nicht selber tragen können (zB. Tonträger, Tourneen im Ausland). Von diesen Beiträgen kann niemand leben, sie ermöglichen bestenfalls einzelne Schritte des künstlerischen Weges. Danach muss man die Möglichkeit haben, seine Produkte zu verkaufen. Wir kämpfen nicht für Subventionen, wir kämpfen für einen funktionierenden Markt.

Ein Beispiel: Nicht nur im „hochsubventionierten Jazz“ gehen Leute mit einem Masterdiplom oft für 150 – 300 Franken für einen Abend spielen und sind unter Umständen an einem Sonntag 12 Stunden unterwegs. Von „subventioniertem Leben“ kann also keine Rede sein.

Q: Die Künstler verdienen ja sowieso sehr viel und leben in Saus und Braus.
A: Das stimmt nur für wenige international bekannte Topacts. In der Schweiz leben selbst Topstars relativ bescheiden im Vergleich zu erfolgreichen Wirtschaftsleuten. Bezeichnend ist etwa, dass auch die Bandmitglieder einiger der grössten CH-Bands noch anderen Jobs nachgehen oder in mehreren Bands gleichzeitig spielen. Wenn man nur alle zwei bis drei Jahre ein Album veröffentlicht / eine Tour macht, müssen die Einnahmen entsprechend sorgfältig eingeteilt werden.

Q: Musiker zu sein ist kein Job.
A: Wir verlangen keinen Lohn für’s „Musikersein“. Wir verlangen einzig die Bezahlung unserer Arbeit, wenn eine Nachfrage danach besteht.

Musikbusiness

Q: Was kostet es heute ein Album zu machen?
A: Das kommt sehr darauf an, wer es wie macht. Wir haben ein paar Produzenten und Bands gefragt, ob sie uns Budgets offenlegen würden. Hier ein paar Beispielbudgets. Man beachte die Unterschiede: Teils ist alles bis zur Promotion mit drin, teils nur die Studiosession. Einen Eindruck kann man davon immerhin gewinnen.


Indieproduktionen mit viel Eigenleistungen und einfachen Aufnahmemethoden kosten also 15‘000 – 40‘000 Franken. Für eine grössere Kiste sind es inklusive Promotion und Herstellung rasch 35‘000 -70‘000. In so einem Budget müssen nicht nur die Aufnahmen berücksichtigt werden, auch Mix, Mastering, Grafik, Promoarbeit, Marketing, allenfalls Videoclips. Das sind Ausgaben, die wieder reingeholt werden müssen, egal ob ein Label oder die Künstler selbst sie investiert haben.

Ein Toningenieur kostet zB. 400 – 800 Franken pro Studiotag. Das gibt es keine Bürozeiten, oft sind es 12 Stunden-Tage. Wenn man dann noch einberechnet, dass man als Tonmensch oft nicht regelmässig 5 Tage die Woche arbeiten kann und nur verdient, wenn gerade ein Job läuft, kommen da keine Abzockerlöhne heraus für Leute, die jahrelange Erfahrung und oft auch ein Studium mitbringen.
Auch in erfolgreichen Produktionsstudios sind zudem die zur Verfügung stehenden Budgets in den letzten 15 Jahren um bis zu zwei Drittel geschrumpft.

Q: Mit der heutigen Technik kostet es nichts mehr einen Song zu produzieren.
A: Gewisse elektronische Tools sind günstiger geworden. Aber die Musik entsteht primär durch die investierte Arbeitszeit. Wirklich gute Tonqualität erfordert zudem nach wie vor Top-Equipment und im Fall von Instrumenten-Aufnahmen entsprechend gute Räume, Mikrofone usw. Die Pressung einer CD entspricht selten mehr als 10 % des Produktionsbudgets, man kann also nicht viel sparen, wenn man nur noch digital vertreibt.

Q: Dank Crowdfunding braucht es die Musikindustrie nicht mehr.
A: Ein gelungenes Crowdfunding ist ein gelungenes PR-Projekt. Nicht jeder Musiker ist ein guter PR-Mensch. Die meisten Crowdfunding-Projekte generieren höchstens Beträge, mit denen man vielleicht ein Produkt teilweise vorfinanzieren kann. Bereits bekanntere Künstler haben bessere Chancen, weil ihr Netzwerk grösser ist. Zudem  muss das Crowdfunding ja belohnt werden. Wer also nicht nur die fertigen Tonträger anbietet, sondern weitere besondere Gimmicks, hat zwar möglicherweise mehr Erfolg im Crowdfunding, allerdings auch mehr zu tun.

Q: Die Musikindustrie ist böse und zockt die Künstler ab.
A: Das ist eins der uralten Klischees, das zum allergrössten Teil nicht der Realität entspricht. Wir sind ja nicht alle so blöd, dass wir uns abzocken lassen. Zudem entsteht daraus für uns ein zusätzliches Problem: Leute bezahlen nicht für Musik, weil sie meinen, das Geld komme eh nicht bei den Künstlern an. Das stimmt aber nicht. Ein Label (auch eine Band, die ihr eigenes Label ist) muss die vorgeschossenen Ausgaben wieder reinholen. Das ist das Recht und die Vernunft jedes Investors. Und danach werden die Einnahmen geteilt, so wie im Vertrag vorgesehen. Dass es Verträge gibt, mit denen die Künstler sehr lange kein Geld sehen ist unerfreulich, aber nicht die Regel. Da müssen sich aber alle selber bei der Nase nehmen, es gilt: Never sign a bad deal. Die Beratung dabei ist ein Teil unserer Verbandsarbeit.

In der Schweiz sind sich „Business“ und „Kunst“ oft sehr nahe. Wenn jemand kein Label hat, ist er seine eigene Musikindustrie: Auch er muss Promo machen, seinen Vertrieb organisieren, Rechnungen schreiben, Zahlungen kontrollieren, Steuern zahlen usw.

Ein grosser Teil der Acts produziert auf eigene Kosten und gibt das fertige Album dann in einen Vertrieb. Dort wird meist 60/40, 70/30 geteilt, je nachdem, welche Aufgaben der Vertrieb zusätzlich übernimmt kann es auch 50/50 sein.

Q: Ich bin bereit für Indie-Künstler zu zahlen, aber für Mainstream-Musik bezahle ich nicht, die verdienen ja sowieso schon genug.
A: Das ist kurzsichtig argumentiert. Wenn du Madonna kein Geld gibst, wird Madonnas Label nicht bei ihr sparen, sondern bei risikoreicheren, kleineren Acts. Beispiel Hollywood: Weniger Geld, aber die Blockbuster werden nach wie vor gemacht, die kleineren Filme werden gestrichen.

Gerade weil das Musikbusiness so verschlungen ist (viele kleine Labels gehören schlussendlich zu den grösseren) schadet man so unter Umständen jenen, die man fördern möchte.

Aus unserer Sicht sollte der Grundsatz sein: Wenn man etwas will, soll man dafür bezahlen. Und wenn man es nicht genug schätzt um dafür zu bezahlen, soll man es einfach bleiben lassen. (Oder legal und spottbillig streamen.)

Q: Der Musiker verdient jetzt das Geld halt mit Konzerten und Merchandise.
A: Einnahmen aus Merchandising und Konzerttourneen sind Zusatzeinnahmen für ein paar wenige Top-Acts, aber nicht für die grosse Mehrheit der Musikschaffenden. Die Gagen der kleinen und mittleren Bands sind zudem in den letzten Jahren gesunken, da viele Veranstalter keine Risiken mehr eingehen können, weil die zugkräftigeren Bands jetzt höhere Gagen fordern, um ihre anderen Einnahmelücken zu überbrücken. Dazu kommt, dass es Produzenten und Komponisten gibt, die ausschliesslich für andere Künstler arbeiten, und somit weder an Gigs noch an Merchandise mitverdienen können. Auch ihre Arbeit muss bezahlt sein, wenn es Nachfrage danach gibt. Dasselbe gilt für Verleger, die im Auftrag von Künstlern einen Songkatalog an potentielle Kunden (TV usw.) anbieten.

Urheberrecht & AGUR12

Q: Käme die konsequente Durchsetzung des Urheberrechts einer Zensur oder einer Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäusserung gleich?
A: Eine konsequente Umsetzung des heutigen Urheberrechts hätte kein Zensur oder Einschränkung des Rechts auf freie Meinungsäusserung zur Folge.

Das Recht zum Eigengebrauch, zum Zitat oder zur Berichterstattung unter Verwendung geschützter Werke ist im Urheberrecht explizit gegeben.

Q: Die Musikindustrie hat die Entwicklung im Internet verschlafen.
A: Im Internet gibt es heute ein breites legales, lizensiertes und kostengünstiges Angebot. Die Entwicklung des Internets vom Kommunikationskanal zum Marktplatz hat vor allem die Politik verschlafen, die ihre gerechtfertigten Regeln für Markplätze im Internet noch nicht durchzusetzen weiss.

Die Aussenwahrnehmung, dass die Musikindustrie spät gute Antworten auf die Herausforderung des Internets gefunden hat, mag stimmen. Man muss dabei aber auch bedenken, dass die Schnelligkeit und die globale Breite der technischen Entwicklung vieles erschwert haben. Es gilt international unterschiedliches Recht, einiges was man als Rechteinhaber hätte tun sollen und wollen, durfte man als Unternehmer in einem rechtlich komplexen  internationalen Umfeld schlicht nicht.

Q: Die Musikindustrie soll doch alternative Geschäftsmodelle zum „illegalen“ Download entwickeln.
A: Siehe oben: Im Internet gibt es heute ein breites legales, lizensiertes und kostengünstiges Angebot. Es gibt keine Legitimation, Musik zu klauen. Bei pro-music.org findet man die legalen Quellen für alle Länder. In der Schweiz sind es über 20.

Q: Free Download ist Promo für den Künstler.
A: Unter bestimmten Umständen vielleicht, aber der Künstler sollte selber darüber entscheiden können, ob und unter welchen Bedingungen er seine Musik gratis anbieten möchte oder nicht. Nicht alle Künstler sind in der Position, mit Konzerteintritten und Merchandise andere Einnahmeausfälle wettzumachen.

SUISA und die Verwertungsgesellschaften

Q: Was ist die SUISA?
A: Die SUISA ist eine Genossenschaft, die den Urhebern gehört. Diese bestimmen in der Generalversammlung mit und wählen das Leitungsgremium, den Vorstand. Die SUISA hat ein gesetzliches Mandat des Bundes, kollektiv die Entschädigungen für Urheberrechte einzukassieren und auszubezahlen. (siehe auch unter dem Begriff Kollektive Verwertung und SUISA.ch

Q: Was ist die Swissperform?
A: Die SWISSPERFORM vertritt die Interpreten. Sie kassiert nicht für Urheberrechte, sondern für „Leistungsschutzrechte“ (Performance Rights). Wenn also zB. ein Konzert in TV ausgestrahlt wird, bezahlt die SRG Urheber- und Leistungsschutzrechte dafür. Während die SUISA die Urheber der gespielten Songs entschädigt, tut die die Swissperform dasselbe für die Interpreten (also zB. Instrumentalisten und Sängerinnen) der gespielten Songs.

Q: Ich bin bereits Mitglied bei Swissperform. Macht es Sinn auch der SIG (Schweizer Interpretengenossenschaft) beizutreten?
A: Das kommt darauf an, welche Rolle du spielst. Als InterpretIn vermutlich ja. Da Swissperform nebst den Interpreten auch Produzenten und Rundfunkgesellschaften vertritt, kann sie zu einigen Themen keine Stellung beziehen, da die verschiedenen Akteure, die sie vertritt, unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema haben können (Produzenten vs. Sendeanstalten, Interpreten vs. Produzenten, etc.). Die SIG vertritt einzig die Anliegen der interpretierenden Künstler und macht sich für diese stark.

Q: Die SUISA ist ineffizient und gibt den Urhebern zu wenig Geld weiter.
A: Das stimmt nicht. Die SUISA verteilt Einnahmen aus den Urheberrechten zu nahezu 90% an die Rechteinhaber. Damit steht sie im internationalen Vergleich gut da. Wir stehen hinter der SUISA, und wir stehen im konstanten Dialog mit der Geschäftsleitung und dem Vorstand über unsere Vorstellungen einer gerechten und effizienten kollektiven Verwertung. Dieser Dialog wird auch von der SUISA und der SWISSPERFORM begrüsst und gefördert.

Q: Die SUISA verhindert, dass man Creative Commons nutzen kann.
A: Die Nachfrage nach Creative Commons ist noch relativ gering. Jede Ausnahme von der „kollektiven“ Verwertung, also jede individuelle Regelung innerhalb eines Werkkatalogs, führt zu Mehraufwand, der als höherer Verwaltungskostenanteil von allen SUISA-Mitgliedern bezahlt werden muss. Wenn mit elektronischer Verwertung ein Ausnahmesystem kostengünstiger und effizient betrieben werden kann, befürworten wir zusammen mit der SUISA grössere Freiheiten, zB. für Creative Commons.

Q: Wieso bezahlt man die SUISA-Anteile nicht einfach direkt an die Künstler nach einem Konzert?
A: Urheber und Interpreten sind nicht immer identisch. Wie würde das zB. eine Coverband machen? Dank der kollektiven Verwertung muss man Bob Dylan nicht jedes Mal um Erlaubnis fragen, wenn man „Knocking on heavens door“ auf einer Bühne massakrieren will. Ist doch praktisch.

Q: Die kollektive Verwertung steht den Künstlern im Weg, weil sie alle Rechte abtreten müssen.
A: Kaum jemand wäre in der Lage oder hätte Lust, selber die Urheberrechte geltend zu machen, nach jedem Radioplay, nach jedem Konzert. Die SUISA vertritt zudem die Rechte ihrer Mitglieder. Das heisst auch, dass sie kaum gegen ihre eigenen Mitglieder vorgehen wird, wenn diese sich in einem rechtlichen Graubereich bewegen. Die Anwendung des Urheberrechts dient dem Schutz der Urheber vor Profiteuren von ausserhalb.

Leerträgervergütung

 Q: Was ist die Leerträgervergütung (LTV) eigentlich? Und auf welchen Medien wird sie bezahlt?
A: Laut Urheberrecht kann der Urheber über alle Verwendungen seines Werkes entscheiden. Es gibt aber Bereiche, wo dieses Recht eingeschränkt ist. Dort müssen die Urheber angemessen für diese Einschränkung entschädigt werden. Die Privatkopie ist eine solche Einschränkung und die LTV ist die Entschädigung dafür. Profitieren tun die KonsumentInnen: Sie dürfen im privaten Kreis geschützte Werke kopieren, auf all ihre Geräte. Bezahlen müssen die Entschädigung jene, die finanziell profitieren von dieser Einschränkung: Die Hersteller und Importeure der Geräte / Medien, auf die man kopieren kann.

Momentan gilt die LTV gilt nur auf Speichermedien wie CDs, DVDs, Tablets oder den Speicherchips in Audio- und Videoplayern. Seit 2015 sind rückwirkend bis 2010 auch Smartphones erfasst. Hier die Tarife:

Die Höhe der Vergütungen
Die derzeit wirksamen Gemeinsamen Tarife im Bereiche der Leerträgervergütung sehen folgende Ansätze vor:

Tarif Träger Vergütung Tarif Träger Vergütung
GT 4 Audiokassette CHF 0.33/h GT 4 Videokassette CHF 0.46/h
GT 4 CD / CDR (525 MB) CHF 0.05/h GT 4 DVD (einfach bespielbar) CHF 0.31/GB
GT 4 DVD (mehrfach bespielbar) CHF 0.88/GB GT 4 BluRay (einfach bespielbar) CHF 0.33/GB
GT 4 BluRay (mehrfach bespielbar) CHF 0.93/GB GT 4d MP3-Player (bis 4 GB) CHF 0.63/GB
GT 4d MP3-Player (bis 8 GB) CHF 0.57/GB GT 4d MP3-Player (bis 16 GB) CHF 0.41/GB
GT 4d MP3-Player (bis 32 GB) CHF 0.31/GB GT 4d MP3-Player (über 32 GB) CHF 0.24/GB
GT 4f Tablets (bis 16 GB) CHF 0.175/GB GT 4f Tablets (bis 32 GB) CHF 0.142/GB
GT 4f Tablets (bis 64 GB) CHF 0.115/GB GT 4f Tablets (über 64 GB) CHF 0.115/GB[1]

Stand: 2014

Die Tarife werden regelmässig zwischen Verwertungsgesellschaften sowie Nutzerverbänden und Konsumentenschutzorganisationen neu verhandelt. Die paritätisch besetzte Eidgenössische Schiedskommission (ESchK) entscheidet über den Tarif. Ihr Entscheid kann vor Bundesverwaltungsgericht gezogen werden, in letzter Instanz entscheidet das Bundesgericht.

[1]Maximum: 8% des Listenpreises

Die Angemessenheit der Vergütungshöhe

Vergleicht man die Preise der Leerträger mit der Vergütung zeigt sich deren Angemessenheit. Aktuelle Beispiele:

Träger Preis[1] Vergütung Anteil
Apple iPod shuffle (2 GB) CHF 59.- CHF 1.26 2.13%
Apple iPod touch (16 GB) CHF 279.- CHF 6.56 2.35%
Apple iPad (16 GB) CHF 549.- CHF 3.- 0.54%
Apple iPad (64 GB) CHF 769.- CHF 7.36 0.96%

[1]Preisansatz gemäss www.apple.ch, Abruf: 14.3.2014.

Preise iPodTouch, 32GB: 2008: 579Fr. 2011: 489Fr. Und 2014: 349Fr. Abgabe darauf dafür ist gesunken von 41.81Fr (2008) auf 12.15Fr (2011, neuere Zahl noch nicht verfügbar). Also von 7.2% auf 2,4% des Preises.

Q: Dann bezahle ich die Leerträgervergütung im Preis für das Gerät!
A: Die Preisentwicklung zeigt, dass die Geräte immer billiger werden, und zwar massiv. Der allfällige Preis-Anteil der LTV ist also sehr niedrig.

  LTV ab 1.4.08 LTV ab 1.7.09 LTV ab 1.1.11 Preise 14.8.08 Preise 10.9.08 Preise 1.7.09 Preise 5.7.10 Preise 10.1.11 Preise 16.1.12 Preise 14.3.14 LTV Ent-wicklung

08-11

Preis Ent-wicklung 08-11/12
  in CHF in CHF in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF apple.ch in CHF in% in%
Ipod nano

8 GB

22.37 6.40 5.20 279.00 229.00 212.00 199.00 179.00 139.00 * -76.75 -50.18
iPod touch 16 GB 28.85 12.80 8.00 579.00 439.00 422.00 399.00 359.00 209.00 279.00 -72.27 -51.82
iPod touch 32 GB 41.81 25.60 12.15 719.00 579.00 561.00 549.00 489.00 319.00 349.00 -70.94 -51.47

Trotz des Rückgangs der Preise der meisten Geräte verfügen die Hersteller weiterhin über ausserordentliche Margen. So lag die Bruttogewinnspanne bei Apple 2012 je nach Gerät zwischen 42,8% und 58%[1]. Ein Vergleich mit der Vergütungshöhe solcher Geräte (zwischen 0.54% und 3.34%) verdeutlicht zusätzlich die Angemessenheit der Tarife

[1]http://www.zdnet.de/88116881/gerichtsunterlagen-apples-marge-beim-iphone-betragt-50-prozent/.

Quelle: SWISSPERFORM

Q: Dann ist mit der Leerträgervergütung ja alles schon bezahlt und ich kann ungeniert herunterladen?
A: Nein. „Gekauft“ und bezahlt ist nur das Recht zur Privatkopie, nicht das Werk, das kopiert wird. Ein Beispiel:
Ein fünfminütiger Song beansprucht als WAV-Datei (CD-Qualität) ca. 50MB. Entsprechend haben auf einem iPod mit 32GB-Speicher in etwa 640 Songs Platz.
Für diese 640 Songs wurden 2011 nicht mal ganz zwei Rappen pro Song als Leerträger-Vergütung bezahlt.
MP3’s sind bis zu zehn mal kleiner als eine WAV-Datei – da bleiben also noch 0.2 bis 0.5. Rappen pro Song.
Das kann man so oder so wahrlich nicht „bezahlt“ nennen und davon kann auch kein Mensch ein ernstzunehmendes Einkommen generieren

Q: Warum haltet ihr an der Leerträgervergütung fest, wenn es so viele Diskussionen darum gibt?
A: Einerseits geht es um ca. 12 Mio, die die Verwertungsgesellschaften (Urheber- und Interpretenrechte für Musik, Film, Text) jährlich verteilen können daraus. Davon werden rund 2.6 Mio für die Musikurbeberrechte von der SUISA an Komponisten und Musikverleger verteilt.Beim Einzelnen reicht der Anteil der LTV zwar nicht um davon leben zu können. Aber die LTV ist Teil eines funktionierenden Systems. Es ist gebaut auf den Grundsatz, dass man uns bezahlen muss, wenn man unsere Werke nutzen will und von ihrer Nutzung profitiert. An diesem Grundsatz wollen wir festhalten, weil ohne ihn unser Markt vollends zusammenklappen würde.