Jahresrückblick 2012

Ein stürmisches erstes Jahr Vereinsgeschichte liegt hinter uns, vieles war für uns neu und nun dürfen wir erstmals hier berichten, was bisher geschah, und wo wir im Frühling 2013, nach der Fusion mit der action swiss music stehen.

Wir erinnern uns an ein fast schon klandestines Treffen empörter Musiker in Thomas Fesslers Zürcher Studio Ende Dezember 2011, ebenso an einen Monat intensiven Herumtelefonierens in der ganzen Szene, und schliesslich an die rasch einberufene Vereinsgründungsversammlung Ende Januar 2012, bei der der Saal voll war von aufstrebenden und altbekannten Gesichtern aus der Schweizer Musikwelt. Ein motivierter und tatendurstiger Vorstand wurde gewählt und schon war ein brandneuer Verein geboren, der sich zum Ziel gesetzt hat die Interessen der Musikschaffenden in der Schweiz zu fördern und zu unterstützen, insbesondere im Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche im weitesten Sinne Einfluss auf das Musikschaffen und die Verbreitung von Musikaufnahmen haben, sowie deren Umsetzung und die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Rahmenbedingungen.
Seither hat sich Bundesrätin Sommarugas Statement „Kein Handlungsbedarf“ zum (unausgesprochenen) Eingeständnis gewandelt, dass dies eine grobe Fehleinschätzung war. Aus diesem Grund wurde von höchster Ebene eine Arbeitsgruppe (AGUR12) einberufen, bei der unser Verein mit am Tisch sitzt. Ein Jahr später erreichen uns von überall aus der Branche und der Kulturpolitik Anfragen um Teilnahme, um Meinungsaustausch, um Unterstützung.

Offensichtlich besteht ein grosses Bedürfnis nach einem Ansprechpartner für die Musikschaffenden in der Schweiz. So können wir also bereits auf ein erfolgreiches erstes Jahr

Musikschaffende Schweizzurückblicken und freuen uns auf das nächste, immer mit dem guten Gewissen eine nötige Aufgabe wirkungsvoll übernommen zu haben und mit einem ernsthaften Bewusstsein für die Verantwortungen, die diese Aufgabe in Zukunft mit sich bringen wird.

Um uns für diese Zukunft auch geschäftlich solide aufzustellen, hat der Vorstand einstimmig beschlossen der Mitgliederversammlung eine Fusion mit der action swiss musicvorzuschlagen. Dank projektbezogener finanzieller Unterstützung durch die Swissperform und die SUISA wird es zudem möglich sein eine 40%-Stelle für die politische Arbeit zu schaffen, durch die Präsident und Vizepräsident in Zukunft entlastet werden können. Bereits jetzt gab es Wochen, in denen bis zu 60% Arbeitsaufwand entstanden ist. Das sollte nun bewältigt werden.

Zudem haben wir schon viele Ideen dafür, wo wir uns noch einbringen wollen und für neue Projekte, die geplant sind.

Gerne berichten wir euch also hier von unseren wichtigsten Aktivitäten und Erfolgen aus diesem turbulenten ersten Vereinsjahr und geben bereits einen kleinen Ausblick darauf, was wir uns für das kommende Jahr vorgenommen haben.
– Konstitution des Vorstands
– Vorbereitung der Übergabe des Offenen Briefes an das Parlament
– Mitgliedschaft in der Schweizerischen Allianz gegen Internetpiraterie(mit Vertretern aus allen wichtigen und grossen kulturellen Organisationen und Verwertungsgesellschaften der Schweiz) und Teilnahme an den ersten Sitzungen
– Suchen und Finden der richtigen Adressaten für den Offenen Brief im Parlament und entsprechende Anpassungen und Übersetzungen des Briefes
– Aufbau der Website Musikschaffende.ch und von Social Media Accounts (Facebook, Twitter)

– Publikation des Vereins, erste Interviews (z.B. Tagesschau vom 3.3.12)
– Besuch im Bundeshaus, Übergabe des Offenen Briefes an Felix Gutzwiller, Präsident derKommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur(WBK). Aus dieser Kommission, von Geraldine Savary nämlich, kam damals das Postulat, dessen Beantwortung durch den Bundesrat die Gründung unseres Vereins angestossen hat.
– Kontakt und Gespräche mit ParlamentarierInnen in der Wandelhalle und im Café (mit Sina, Ritschi, Reto Burrell, Ivo, Trummer)
– Gutes Medienecho auf die Aktion und längerer Beitrag im Kulturplatz auf SF (13.3.12)
– Sitzung mit der Parlamentarische Gruppe Musik, die uns Unterstützung zusichert. Gutzwiller ist ebenfalls anwesend und bestätigt bereits: Unser Anliegen kommt auf die Agenda der WBK.
– Mehrere neue Postulate zum Thema (Glättli, Recordon) nach unserem Besuch im Bundeshaus
– Teilnahme und Vereinsvorstellung beim Panelgespräch zum Thema „Everything streams but the money“ am M4Music. Auch sonstige Präsenz und Networking am Festival – Weitere Sitzungen mit dem Vorstand und der Allianz gegen Internetpiraterie

April 2012
– Treffen mit Piratenpartei (wobei wir auf erstaunliches Verständnis gestossen sind, von dem allerdings in den weiteren medialen Auftritten des Präsidenten Bruderer nicht mehr viel hörbar war.)
– Treffen mit Nationalrat Balthasar Glättli, der versucht unser Anliegen mit einem trotzdem frei bleibenden Internet zu verbinden. (Sein Postulat ist einer der Gründe dafür, dass viel über die Kulturflatrate geredet werden musste.)
– Übergabe der Vereinsadministration als Mandat an Luise Werlen, die auch für action swiss musicarbeitet.
– Weitere Sitzungen des Vorstands und Aufgleisen neuer Projekte und Aktivitäten (z.B. Aufklärung der Jugend, Schulprojekt usw.)
– Diverse Interviews (Suisa Info, Joiz, Musikmarkt.de usw.)
– Gastreferat an einem Workshop zum Thema Copyright an der Berner Hochschule der Künste (HKB)
– Weitere Sitzungen Alianz gegen Internetpiraterie und Vorstand
– Anpassung Website, viel beachtete Veröffentlichung unserer Statements zu den aktuellen Problemen.
– Vorbereitungen für weiteren Besuch im Bundeshaus

Juni 2012
– Besuch und Lobbying im Bundeshaus mit Caroline Chevin, Adrian Stern, Al Schmid, Trummer.
– Besuch einer Delegation der Suisseculture (mit Sina) bei Bundesrätin Sommaruga, die sich verständnisvoll äussert.)
– Präsentation des neuen Vereins bei der Generalversammlung derSUISA

Juli / August 2012
– Reto Burrell und Trummer präsentieren unsere Anliegen in der Kommission für Wissenschaft, Bildung & Kultur im Ständerat (WBK S) und diskutieren mit Komissionsmitgliedern.
-Erste Gespräche mit der action swiss music betreffend einer allfälligen Fusion.
– Bundesrätin Sommaruga kündigt an eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die konsensfähige Lösungsansätze für das nun anerkannte Problem vorschlagen soll und die auch die Arbeit der Verwertungsgesellschaften, sowie die Anliegen von Rechtenutzern und Konsumenten im Zusammenhang mit Internet und Urheberrecht besprechen soll. (AGUR 12)
– Reto Burrell, Al Schmid und Trummer treffen sich mit der Teilen der Swisscom-Geschäftsleitung um unsere Probleme zu schildern und deren Meinung zu Fragen der Providerhaftung zu hören.
– Teilnahme an eine Retraite derAllianz gegen Internetpiraterie zur Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie.
-Bundesrätin Sommaruga vergibt 6 Sitze für Kulturschaffende in derAGUR 12 an die Suisseculture. Obwohl unser Verein nicht Mitglied der Suisseculture ist, gelingt es uns einen permanenten Vertreterplatz zu sichern, dank dem wir bei allen Vorbereitungssitzungen dabei sein können. Zudem setzt sich nach einigen Diskussionen auch in der Suisseculture-Delegation die Ansicht durch, dass es wichtig sei mit aktiven Kulturschaffenden präsent zu sein. Vizepräsident Trummer wird als Vertreter der Musikschaffenden bestimmt.

September 12
– Wir lancieren eine viel beachtete Kampagne, die zeigt, dass selbst Firmen wie Swisscom usw. mit Werbebannern auf Piratenseiten vertreten sind und damit indirekt die Piraterie mitfinanzieren. Die betroffenen Firmen geloben dies in Zukunft besser zu überprüfen und zu unterbinden.
– Weiteres Treffen mit Parlamentariern im Bundeshaus, diesmal vor allem mit bürgerlichen Vertretern.
– Aufnahme von konkreten Fusionsverhandlungen mit der action swiss music

Oktober 12
– Konkrete Budgetierungen zeigen, dass finanziell auch mit einer Fusion nicht genug Geld vorhanden wäre um eine Stelle zu schaffen, mit der man den Präsidenten und den Vize entlasten könnte. Trummer erklärt sich bereit, seinen bisherigen Nebenerwerb zugunsten der Vereinsarbeit aufzugeben, falls eine entsprechende Stelle geschaffen werden könne.
Eine bereits angesagte Mitgliederversammlung wird verschoben, um Zeit zu gewinnen für Fusionsverhandlungen und Budgetsicherung.
– Die AGUR 12 trifft sich ein erstes Mal, Trummer nimmt teil und präsentiert vor Bundesrätin Sommaruga die realen Schwierigkeiten der Musikschaffenden in der Schweiz. Die Bekämpfung der Piraterie wird von Bundesrätin Sommaruga als ein ausdrückliches Ziel der AGUR 12 genannt.
– Al Schmid und Trummer treffen Vertreter der Amerikanischen Botschaft in Bern um die Position der Musikschaffenden zu erklären. Die Amerikaner interessieren sich sehr für die Vorgänge in der Schweiz, insbesondere in derAGUR 12, da die Schweiz wegen ihres laschen Urheberrechts in Fragen der Piraterie auf einer US-Watchlist gelandet ist.

November 12
– Die Geschäftsleitungen von SUISA und Swissperform können überzeugt werden, sich für eine Unterstützung der politischen Arbeit des VereinsMusikschaffende Schweiz einzusetzen. Die Entscheide der zuständigen Gremien stehen aber noch aus.
– In der zweiten AGUR 12-Sitzung präsentiert Trummer zusammen mitSUISA-Direktor Andreas Wegelin das Geschäftsmodell der Musikbranche und zeigt auf, wo die Piraterie und andere neue (teils auch legale) Nutzungsformen im Internet unsere Branche schmerzlich treffen. Es gelingt, den Konsens herzustellen, dass die Piraterie bekämpft werden soll.
– Reto Burrell vertritt den Verein an einer öffentlichen Diskussion zum Urheberrecht im digitalen Zeitalter des Futurologen Gerd Leonard.

Dezember 2012
– Ein Treffen mit VertrerInnen der SP im Bundeshaus zeigt wo Konsens mit den Sozialdemokraten gefunden werden könnte, zeigt aber auch, dass wir nicht darum herum kommen werden die Arbeit der Verwertungsgesellschaften unter die Lupe zu nehmen. In einem Newsletteraufruf starten wir eine Kampagne zur Zusammenarbeit mit den Verwertungsgesellschaften mit der wir zeigen wollen, wo für uns die Probleme liegen (und wo sie aber eben auch nicht liegen.) Diese Kampagne wird von den Verwertungsgesellschaften begrüsst, gerade weil die AGUR 12 ihre Arbeit ebenfalls besprechen wird.
SUISA und Swissperform sagen dem Verein für das Jahr 2013 je 35000 Franken Unterstützung für die politische Arbeit zu. Damit ist das Budget gesichert und die Fusionsverhandlungen gehen in die definitive Runde.

Januar/Februar 2013
– Die AGUR 12 trifft sich erneut, Trummer ist wieder dabei. Nun geht es um Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung. Es zeigt sich, dass es schwierig wird konkrete Lösungen zu finden, mit denen die Piraterie eingedämmt werden könnte. Die Diskussion dreht sich vor allem um Verantwortlichkeiten der Internet-Provider. In diesem Thema wird es noch viel zu tun geben.
– Bei einer Pressekonferenz, die die Suisseculture-Kampagne „Kunst trifft“ bewirbt, zeigen wir vor den Medien auf, wie die Piraterie uns trifft, wie das Geschäftsmodell der Musik aufgebaut ist, und was ein Musiker durchschnittlich etwa verdienen kann in der Schweiz. Es folgen mehrere Presse-Beiträge, u.a. in Le Temps.
– Der Vorstand trifft sich mit dem Vorstand der action swiss music. Die wichtigsten Details der Fusion werden ausgehandelt. Am Ende wird eine Fusion von beiden Vorständen einstimmig begrüsst und soll somit den jeweiligen Mitgliederversammlungen vorgeschlagen werden.

AUSBLICK
Hier eine kleine Liste der Dinge, die für uns für das laufende Jahr vorgenommen haben:

– Fusion mit der action swiss music zum neuen Verein Musikschaffende Schweiz
– Durchbringen effektiv wirkungsvoller Lösungsansätze zur Eindämmung der Piraterie und zur fair entschädigten Werknutzung im Internet in der AGUR 12, die noch bis Oktober 2013 läuft. Parallel dazu wollen wir unsere Lobby-Arbeit im Bundeshaus optimieren und uns mit den wortführenden Leuten aller Parteien in der anstehenden Debatte (die spätestens nach Abschluss der AGUR 12 garantiert intensiviert stattfinden wird) bereits vorgängig treffen, um mitzuhelfen, dass bei der Beurteilung der Lage von einem realistischen Bild ausgegangen wird.
Dasselbe gilt für die anderen Interessenvertreter in der AGUR 12 (Rechtenutzer, Konsumenten, Bundesvertreter). Auch hier wollen wir vermehrt das bilaterale Gespräch suchen und verhindern, dass unsere Situation verharmlost wird.
– Intensivierte Arbeit an der Kampagne zur Arbeit der Verwertungsgesellschaften, in der wir eure Anliegen und Probleme einzubringen versuchen.
– Kampagnen lancieren zur Sensibilisierung der (medialen) Öffentlichkeit (auch in Zusammenarbeit mit der
Suisseculture-Veranstaltungsreihe „Kunst trifft…“).
– Eine Zusammenarbeit mit Respect Copyrightzur Aufklärung an Schulen und Musikschulen ist bereits in konkreter Planung.
– Unsere Rolle ausbauen als offizieller Ansprechpartner für die Musikschaffenden, sowohl gegenüber der Öffentlichkeit, als auch für die Anliegen unserer Mitglieder. -Ausbau der Services für Mitglieder (z.B. gemeinsame Notice & TakeDown-Aktionen, wenn unsere Werke z.B. beiRapidshare illegal gehortet werden) – Website und Social Accounts auf dem Laufenden halten und zu aktiveren Instrumenten ausbauen.