Label, Vertrieb und Verlag

Details zu den verschiedenen Key-Players im Record Business:

Record Labels

Ein Label (Plattenfirma, auch Tonträgerunternehmen) kann ein ganzes Unternehmen oder nur eine Unterabteilung eines Unternehmens sein, die ihre Musiker unter einem bestimmten Markennamen vertreibt. (Quelle: Wikipedia)

Aufgaben

Die Hauptaufgabe der Plattenfirma besteht darin, Tonträger zu verkaufen. Dazu gehört das Herstellen und Vertreiben, die Werbung und der Verkauf der Tonträger.

Folgende Arbeitsbereiche gehören zu einer Plattenfirma:

  • Entdeckung und Förderung neuer Künstler
  • Produktionsabwicklung
  • Marketing-Konzepte und Promotion
  • Plattenpressung oder Datenaufbereitung
  • Covergestaltung (Artwork)
  • Vertrieb
  • Lizenzierung an Drittfirmen oder (Auslands-) Partner

A&R (Artist & Repertoire)

Der A&R Manager (Artist & Repertoire) ist für eine Band und dessen Manager die Ansprechstelle und Verbindung zu einer Plattenfirma. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehört das Entdecken neuer Künstler für die Firma. Möglichkeiten dazu bieten Musik-Wettbewerbe, Messen, Konzerte und der Kontakt zu freien Produzenten, die ihre Produktionen anbieten. Er hört sich die eingesandten Demos an und entscheidet unter anderem nach folgenden Kriterien, ob die Band oder der Künstler die nötigen Voraussetzungen für eine längerfristige Zusammenarbeit erfüllt:

  • Passt die Band in das Repertoire der Plattenfirma?
  • Ist die Musik und das Image zeitgemäss?
  • Kann man die Musik vermarkten?

Weitere Aufgaben des A&Rs sind das Überwachen von Produktionen und eventuell auch noch die Künstlerbetreuung. Grosse Firmen verfügen über eine ganze Abteilung für den Bereich A&R.

Der Job als A&R Manager ist mit grosser Verantwortung verbunden. Seine Wahl neuer Talente trägt entscheidend zum Erfolg oder Verlust einer Plattenfirma bei. Deutlich macht dies die Tatsache, dass ca. 80 Prozent aller Veröffentlichungen nicht einmal die Investitionskosten einspielen. Die restlichen 20 Prozent der Veröffentlichungen müssen die anderen mitfinanzieren. Und nur etwa 5 Prozent aller Veröffentlichungen werfen Gewinn ab.

Konzerne und Kleinere Firmen

Auch heute träumt beinahe jeder vom grossen Deal mit einer Plattenfirma. Plattenfirma ist jedoch nicht gleich Plattenfirma, es gibt verschieden grosse und verschieden organisierte Firmen. Deshalb wird auch nicht jede Firma den Ansprüchen des Musikers gerecht.

Majors

Es gibt die mittlerweilen noch drei grössten Firmen, die Majors, die zusammen etwa 80 Prozent des Weltmarktes für sich beanspruchen. Sie sind die Tochtergesellschaften internationaler Konzerne, und jede erreicht für sich einen Marktanteil von über zehn Prozent.

Majorfirmen sind gut organisiert, mit vielen verschiedenen Fachabteilungen und  entsprechend ausgebildetem Personal. Sie verfügen über ein nahezu unbegrenztes Budget, mit dem ihre unter Vertrag stehenden Künstler gehörig gepuscht werden können. Allerdings kann in dieser unter Umständen unpersönlichen Atmosphäre eine junge Gruppe durchaus auch versauern, da die Konkurrenz innerhalb der Plattenfirma gewaltige Ausmasse annehmen kann.

Die drei Majors sind:

  • SONY Music
  • WARNER Music
  • UNIVERSAL Music

Indies

Beim Begriff Independents unterscheidet man zwischen

  • TraditionellenLabels
  • Underground Labels

Die Independents reichen vom Einmannbetrieb bis zur mittelgrossen Firma. Sie stehen meistens mit sehr viel Engagement hinter ihren Künstlern, verfügen jedoch nicht über die weitgreifenden Handelsnetze und riesigen Budgetkapazitäten der Majors.

Die Independents sind eine willkommene Gegenströmung zu den Majors, die ihre Macht sonst auch in Gremien wie Urheberrechtsschutz und anderen Bereichen der Industrie ungehindert durchsetzen können.

Das Hauptanliegen der Independents besteht im Produzieren und Verbreiten von kultureller, alternativer und eigenständiger Musik. Der ideelle Wert der Musik ist dabei wichtiger als der Marktwert. Independents nehmen oft Künstler und Gruppen unter Vertrag, die nicht in die kommerzielle Strömung passen, das heisst von der grossen Masse nicht oder kaum zur Kenntnis genommen werden und deshalb von den Majors gemieden werden. Sie geben dadurch der Musikindustrie oft entscheidende Impulse für neue Musikströmungen. Ist eine durch sie bekannt gewordene Musikstilrichtung populär geworden, wenden sie sich neuen Bereichen zu.

Vertriebe und Aggregatoren

Der klassische Vertrieb ist für die Verteilung der Tonträger in den Fachhandel verantwortlich. Er übernimmt entweder die bereits gepressten CDs zur Verteilung (Distribution) oder lässt ein fertiges Mastermedium selber in der gewünschten Auflage in einem Presswerk herstellen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Vertriebs:

  • Der Vertrieb schickt seine Aussendienstmitarbeiter zu den einzelnen Fachhändlern, wo die neuen Produkte angeboten und bestellt werden
  • Vertrieb über den Grosshandel (z.B. eigene Plattenläden, Warenhäuser, Clubs)
  • Vertrieb per Mail-Order (Katalogbestellungen, Inserat-Bestellungen)

Im Digitalen Zeitalter hinzugekommen sind die sogenannen „Aggregatoren“, welche die Aufgabe übernehmen, den Digitalen Content der Labels zentriert für alle möglichen internationalen Online-Shops wie iTunes, Beatport, 7Digital, MusicLoad, Amazon, Juno, Ex Libris, Google Play usw. aufzubereiten und jenen zwecks Verkauf in ihren Shops zuzusenden. Diese Aggregatoren übernehmen im Online-Bereich die Arbeit der klassischen Vertriebe.

  • Zentrale Datenaufbereitung und Codierung
  • Versand des Label Contents an die zahlreichen Shops
  • Verträge mit allen internationalen Shops
  • Zentrales Royalty Collecting: Verkäufe eruieren und an die Labels zentral abrechnen

 

Verlagswesen

Die Aufgabe des Verlags ist die kommerzielle Verwertung des geistigen Eigentums. Im Musikbusiness ist dies die Musik bzw. der Song eines Komponisten. Er kümmert sich primär um die möglichst beste Verbreitung seiner verwalteten „Songs“ (die Plattenfirmen dagegen kümmern sich um die entsprechenden „Ton-Aufnahmen“).

Da die Urheberrechtseinnahmen an den Urheber gehen, kann dies für einen Komponisten eine wertvolle Einnahmequelle sein. Umso höher sind die Ansprüche an die Verlage und ihre Arbeit. Es verlangt perfekte Kenntnisse des Urheberrechts und umfangreiche Kontakte zu sämtlichen Bereichen der Unterhaltungsindustrie.

Beispiele für die kommerzielle Verwertung des geistigen Eigentums:

  • Interpreten, die keine eigenen Songs schreiben (Tina Turner, Cher etc.), suchen bei den Verlagen nach geeigneten neuen Songs
  • Der Verlag lizenziert die Musik seiner Komponisten zur Verwendung als Werbemusik (Jingle), Soundtrack (Film, TV) oder bspw. für Games
  • Die Noten einzelner Hits von Komponisten des Verlags werden in gedruckter Form veröffentlicht
  • Der Verlag hilft den Künstlern, geeignete Plattenverträge mit Labels abzuschliessen oder Lizenzpartner zu finden
  • Ueberwachung und Verwaltung der Einnahmen von etwaigen Sub-Verlagen und entsprechenden Verwertungsgesellschaften.

Sub-Verlag: Um Songmaterial im Ausland verwerten zu können, kann ein Verlag Sub-Verlagsrechte einem Verlag im Ausland vergeben. Das hat den Vorteil, dass ein ausländischer Verlag die besseren Kontakte zum einheimischen Business hat und dementsprechend erfolgreicher agieren kann. Im eigenen Land kann kein Sub-Verlagsvertrag abgeschlossen werden.