Stellungnahme zur Antwort des Bundesrates auf die Motion Barthassat vom 14.11.13

Mit grossen Interesse lesen wir die Antwort des Bundesrates auf die Motion Barthassat, in der eine Quote für Schweizer Musik an Schweizer Radios gefordert wird. (http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20133963)
Es gibt aus unserer Sicht einiges dazu zu sagen.

Die Charta mit SRF
Wir bestätigen, dass wir an dieser Charta mitarbeiten und froh sind, sie zu haben. Gerade ist eine Überarbeitung im Gange, in der wir unter anderem auf die Problematik von Sendezeit in Prozenten gegenüber der effektiven Publikumsreichweite hinweisen wollen. Wir würden es sehr begrüssen, auch mit den Privatradios einen ähnlichen Prozess zu starten und sind dabei, diesbezüglich Kontakt aufzunehmen.

Aktueller Anteil Schweizer Musik
15% bzw. 6% Schweizer Musik sind keine sehr zufriedenstellenden Zahlen. Schade, dass das für den Bundesrat offenbar genug ist. Ein detaillierter Blick in die zitierten Studien zeigt zudem, dass der Grossteil der Deutschschweizer Stationen auch nur um oder unter 10% liegt, und der Durchschnitt von einzelnen Ausnahmen wie Radio BeO (30%) hochgerissen wird.

Prozente versus Reichweite und Programmbreite
Prozentanteile sind auch sonst ein schwaches Argument. Entscheidend ist, wie viel Publikum erreicht werden kann, was je nach Sender und Sendezeit stark variiert. Ebenfalls ein Kriterium muss die Programmbreite sein. Wenn wenige erfolgreiche Titel noch mehr gespielt werden, ist für die Schweizer Musik insgesamt nicht viel gewonnen. Diesen Vorbehalten müsste aus unserer Sicht auch bei einer Quotenregelung Rechnung getragen werden.

Internetpräsenz genügt? Der Bundesrat vergreift sich einmal mehr im Ton
Der Bundesrat argumentiert weiter, dass das Internet ja viele Möglichkeiten biete, sich bekannt zu machen. Im Zusammenhang mit der Frage von Radiopräsenz ist diese Aussage ein regelrechter Schlag ins Gesicht der Schweizer Musikschaffenden. Studien haben erst gerade wieder gezeigt, dass Radio nach wie vor mit Abstand der wichtigste Ort ist, an dem neue Musik entdeckt wird (http://www.nielsen.com/us/en/press-room/2012/music-discovery-still-dominated-by-radio–saysnielsen-music-360.html). Im Internet findet man grösstenteils, was man sowieso schon sucht.

Einmal mehr zeigt sich, dass der Bundesrat vor allem abwiegelt, wenn es um die Aliegen der Schweizer Musikschaffenden geht, und sich nicht recht darum kümmern mag. Das ist sehr bedauerlich.

Für die Musikschaffenden Schweiz
Christoph Trummer, Präsident
Luise Werlen, Geschäftsführerin

Bitte richten Sie alle Kommentare, Fragen und Interviewanfragen an christoph.trummer@musikschaffende.ch oder contact@musikschaffende.ch.

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