Taylor Swift & Spotify: Wie wir das sehen (Medienmitteilung)

Die Frage nach dem funktionierenden Geschäftsmodell für Musik im digitalen Zeitalter ist nach wie vor ungelöst. Die Streaming Dienste haben ihr Versprechen noch nicht erfüllt. Wir wünschen uns, dass sowohl die Player des digitalen Marktes, wie auch Musikkunden, mehr Verantwortung übernehmen für die Zukunft der Musikproduktion.

Die Musikschaffenden Schweiz begrüssen die Debatte, die ausgelöst wurde durch Taylor Swifts Rückzug aus dem Katalog des Streaming-Dienstes Spotify. Die Frage, ob Frau Swift damit in erster Linie geschäftliche Interessen in Bezug auf den Verkauf ihres Labels verfolge, ist aus unserer Sicht irrelevant. Sie nimmt als erfolgreiche Rechteinhaberin genau dieses Recht wahr: Selber zu bestimmen, mit welchem Geschäftsmodell sie ihr Produkt anbietet. Unabhängig von der Meinung, die man über Taylor Swifts Strategie hat, gibt es einige Fakten festzuhalten.

Musikverkauf muss Musikproduktion ermöglichen: Die Problematik der Flatrates
Ein Musik-Dienst, der eine verantwortungsvolle Rolle in der Musikindustrie spielen will, kann sich nicht nur daran messen, ob er viele Kunden erreicht. Die Frage muss auch sein, ob er finanziell dazu beiträgt, dass weiterhin Musik produziert werden kann. Insbesondere dann, wenn er sich als „das neue Geschäftsmodell“ des Marktes ausgibt. Streaming Dienste spielen eine wichtige Rolle in der Verbreitung von Musik, keine Frage. Dass sie auch einen substanziellen Beitrag leisten können an die Finanzierung von Musikproduktion, müssen sie noch beweisen.
«Wenn wir über einen Zeitraum von zehn Jahren nachrechnen, bin ich mir sicher, dass ein Künstler mit Streaming mehr verdient haben wird als mit CD-Verkäufen», sagt Napster-Europachef Thorsten Schliesche. Hoffentlich hat er Recht. Künstler (und ihre Produzenten) rechnen in Zyklen von zwei bis drei Jahren. Die Player des digitalen Musikmarktes müssen diesen Zyklus mittragen, wenn sie langfristig eine verantwortungsvolle Rolle darin spielen wollen. Das Flatrate-Modell überzeugt uns bisher noch nicht. Entsprechend kritisch stehen wir den immer wieder geäusserten Ideen gegenüber, noch breiter gefasste Kultur-Flatrates einzuführen.

Nachfrage und Verfügbarkeit
Die Argumentation, wenn etwas nicht auf Spotify erhältlich sei, müsse man es halt auf illegalen Seiten herunterladen, zeugt von einer bedenklichen Geringschätzung gegenüber den Künstlern, deren Werke man offenbar unbedingt hören will. Erfolg und Nachfrage sollen Gewinn bringen. Es ist nicht einzusehen, warum das in der Kulturindustrie anders sein sollte als in jedem anderen Wirtschaftszweig. 12.95 Fr. pro Monat für den Zugang zu weit über 20 Mio. Songs sind ein sehr tiefer Preis. Zudem nutzt immer noch ein Grossteil der Spotify-Kunden das Gratismodell mit Werbung, aus dem noch weniger Geld an die Künstler fliesst. Wir wünschen uns auch von den Hörerinnen und Hörern ein grösseres Mitverantwortungsgefühl gegenüber ihren geschätzten Künstlern.

Auszahlungen und Transparenz: Ungeklärte Fragen
Im vergangenen Monat hat der International Council of Creators of Music (CIAM) gefordert, dass Streaming Dienste einen grösseren Anteil auszahlen sollen, als die „fast 70%“ der Einnahmen, mit denen sich Spotify rühmt. Kurz zuvor hatten die Musikmanager (International Music Managers Forum IMMF) gefordert, die Online Dienste sollten offenlegen, wie ihre Deals mit den grossen Rechteinhabern genau aussehen. Diesen Forderungen schliessen wir uns an. Gerade Independent-Künstler und ihre Industrie haben im neuen Musikmarkt noch nicht viel mitzureden, wie der Streit von YouTube mit Indie Labels vorgeführt hat. Die Verstrickungen der Major-Labels mit den Anbietern des neuen Musikmarktes sind nach wie vor undurchsichtig. Transparenz tut Not, besonders im Blick darauf, dass Spotify bei allem Erfolg immer noch rote Zahlen schreibt.